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Was Liebe aus uns macht – Der unheilbare Romantiker

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Hast du dir schon die Frage gestellt, worum es im Leben geht? Der Sinn des Lebens? Und hat dieser Sinn etwas mit Liebe zu tun? Tatsächlich sind die Liebe und das Leben eng miteinander verknüpft, denn es ist fast unmöglich, sich ein Leben ohne Liebe vorzustellen. Frank Tallis ist Psychotherapeut und gemeinsam mit der Verlagsgruppe Random House hat er das Buch „Der unheilbare Romantiker“ herausgebracht. Er lädt uns in eine Welt der Liebenden ein. Was die Liebe und was Liebeskummer aus einem Menschen machen kann ist hochgradig faszinierend. 

Liebe ist eine unbesiegbare Krankheit

Der römische Philosoph Lukrez hat sich damit befasst, was mit dem Menschen geschieht, wenn er sich verliebt. Liebestrunkene sind häufig durch unstillbare Sehnsüchte erregt und aufgewühlt. Die sexuelle Vereinigung ist oft leidenschaftlich und heftig, führt aber nur zu einer kurzen Linderung, denn Liebende wollen immer mehr voneinander. Die Liebe schwillt nicht ab, im Gegenteil, sie wird stärker. Zusammenfassend sagt Lukrez, dass die Liebe wie eine unbesiegbare Krankheit ist und Liebende an unsichtbaren Wunden sterben. Sie sind schwach und vernachlässigen ihre Pflichten, sie verhalten sich närrisch und verprassen ein Vermögen mit übertriebenen Geschenken, sie werden eifersüchtig und unsicher. Und wenn die Liebe dann scheitert verfallen Liebende in einen Wahn und verlieren die Fähigkeit, objektive Entscheidungen zu treffen. 

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Liebeskummer galt in der Antike bis ins 18. Jahrhundert als Diagnose für eine Krankheit. Im 19. Jahrhundert wurde aus Liebeskummer eher eine Metapher und Menschen, die ihre Beschwerden vorbringen, erhalten eher etwas Mitgefühlt oder auch Spott. Doch Tallis beteuert, dass Liebeskummer lebensgefährlich sein kann, denn Unerwiderte Liebe führt, besonders bei Jugendlichen, zu Selbstmord und anderen Verhaltensstörungen. 

Liebe, die kein Nein akzeptiert..

Tallis nimmt uns in seinem Buch „Der unheilbare Romantiker“ mit in seine Therapiesitzungen. Er erzählt uns wahre Geschichten über Menschen, die durch die Liebe unter einem Leidensdruck standen und deshalb psychotherapeutisch behandelt werden mussten. Die Probleme dieser Menschen sind überwiegend emotionaler oder auch sexueller Natur oder auch in Kombination aus beidem. Die zusammengeschriebenen Symptome, Gefühle sowie das Verhalten entstammen der Wirklichkeit, die Daten allerdings sind verschleiert, um die Anonymität zu bewahren. Der Autor erzählt uns von einer Anwaltsgehilfin die der festen Überzeugung war, dass ihr Zahnarzt sie liebt. In den Gesprächen mit Tallis weicht die Frau nicht von ihrer Meinung ab. Sie ist der Ansicht, dass ihr Zahnarzt besondere Andeutungen in den Terminen macht, sodass die Anwaltsgehilfin ihm vor der Praxis auflauert. Die Ehe des Zahnarztes setzt die Patientin somit auch aufs Spiel. Die Patientin treibt ihr Spiel so weit, dass der Zahnarzt sich gezwungen sieht, die Stadt zu verlassen. Er eröffnet tatsächlich im nächsten Bundesstaat eine neue Praxis.

Das De-Clémrambault-Syndrom

Megan leidet dabei tatsächlich an einer Geisteskrankheit, die als De-Clémrambault-Syndrom bezeichnet wird. Hierbei verliebt sich typischerweise die betroffene Person, meistens eine Frau, in einen Mann, mit dem sie wenig oder keinen vorherigen Kontakt hatte und gelangt zu der Überzeugung, dass auch er leidenschaftlich in sie verliebt sei. Der Mann ist oft älter, von höherem Status oder eine berühmte Persönlichkeit.

Bei heranwachsenden Mädchen, die einen Star anhimmeln ist dieses Syndrom häufig zu erkennen. Denn es gibt genug Fans, die weit über das Anhimmeln hinaus und der festen Überzeugung sind, eine Beziehung zu führen. Ich kann mich daran erinnern, dass Bill Kaulitz über eine solche Erfahrung mit einem Fan gesprochen hat. Bei einem Meet & Greet kam ein Mädchen auf ihn zu, die ihm von ihrer Beziehung erzählt und dass sie sämtliche „geheime Zeichen“ in seinen Beiträgen auf Instagram verstanden hätte. Bill ist nur ein Beispiel von vielen andere Personen des öffentlichen Lebens.

Alterlose Leidenschaft

Als nächstes berichtet Tallis von Mavis. Mavis hat ihren Mann Georg verloren, doch die Trauerbegleitung ist als Psychotherapeut ist nicht leicht, denn man kann nur an der Oberfläche herumdoktoren. Mavis war ihr gesamtes Leben nur Hausfrau und zwar so, wie man sich eine klassische Hausfrau vorstellt. Sie hatte kein eigenes Leben, Georg ist hin und wieder mit Freunden etwas trinken gegangen. Mavis nicht, denn sie hatte ja einen Mann. Gemeinsam ausgegangen sind sie auch nicht, nur zum Markt.

Mavis fehlt ihr Partner und sie versucht seit seinem Tod damit klar zu kommen, sie erledigt weiterhin ihre Arbeiten im Haushalt, wie ein Roboter. Ihr gemeinsamer Sohn ist 40 und lebt noch bei ihr im Haus. Die Therapie mit der alten Dame ist eine Herausforderung. Sie spricht kaum und antwortet einsilbig. Als Tallis fragt, was seine Patientin am meisten an Georg vermisse, antwortet sie mit „Den Sex.“ Eine Antwort mit der Tallis nicht gerechnet hatte.

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Drei Elemente der Liebe

Der Psychologe Robert Sternberg führt aus, dass Liebe aus drei Elementen besteht: Vertrautheit, Leidenschaft und Bindung. Diese drei Elemente ergeben die „vollkommene Liebe“, aber sie sind nicht immer vorhanden und nicht gleichmäßig verteilt. In einer leidenschaftlichen Beziehung, ohne Vertrautheit und Bindung, herrscht eine Verliebtheit, während Vertrautheit und Bindung ohne Leidenschaft eine „kameradschaftliche Liebe“ hervorbringt, die den Charakter einer Langzeit-Freundschaft aufweist. Die erste einschneidende Reduzierung der Leidenschaft tritt nach drei oder vier Jahren auf, und viele Beziehungen scheitern in dieser Zeit.

Wenn man Paare befragt, die eine Trennung durchlebt haben, hört man auch häufig, dass einer oder beide Partner eine Affäre hatte. In diesem Sinne lässt sich dies auch sehr einfach erklären, wenn die Leidenschaft in der eigenen Beziehung sinkt, kommt eine Affäre, in der die Leidenschaft am stärksten ist, gerade richtig.

Mavis und Georg dagegen hatten keine gemeinsamen Interessen und sie sprachen auch selten miteinander, aber die Leidenschaft war bei ihnen, bis ins hohe Alter geblieben. Ein seltener Fall, denn die Leidenschaft sinkt mit dem Alter.

Tiefgründige Erkenntnisse

Neben Megan und Mavis hat Tallis noch 10 weitere Arten von Liebe aus seinen Therapien zusammengefasst. Tallis ist ein grandioser Erzähler und die Geschichten aus seinen Therapiesitzungen sind widersprüchlich, beängstigend und erleuchtend. Ich habe das Buch schnell verschlungen. Tallis berichtet von seinen Sitzungen und taucht dabei auch in die Psychologie ein. Seine Erläuterungen sind tiefgründig aber nicht trocken. Für mich habe ich neue Erkenntnisse in der Liebe feststellen können, die ich in meine Zukunft nehmen werde.

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25 Jahre alt und Bloggerin seit November 2011. Ich lese gerne und mag die Persönlichkeitsentwicklung. Aktuell belege ich einen Kurs zum Thema Bloggen an der ILS.

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