Bücher,  Roman

Rezension – Der Junge, der Träume schenkte

Nach Das Mädchen, das den Himmel berührte, das zweite Buch von Luca Di Fulvio, welches ich gelesen habe. Der Autor erschafft mit seinen Erzählungen immer wieder Geschichten, die den Leser aus dem Alltag holen und zum Träumen einladen. Seine Beschreibungen sind gut gewählt, sodass man sich in jede Situation sogar in jeden Charakter hineinversetzen kann. Man lernt seine Protagonisten lieben und fiebert mit denen dem Ende der Geschichte entgegen.

Die Mutter hat die eigene Tochter entstellt.

Die Geschichte dieses Romans spielt in den 20er Jahren und startet in Italien mit einem jungen hübschen Mädchen Namens Cetta Luminata. Sie lebt und arbeitet mit ihrer Familie auf einem Hof. Der Gutsherr hat ein Auge auf das hübsche Mädchen geworden, was die Mutter bemerkt hat und woraufhin sie sich was einfallen ließ, damit der Gutsherr die Tochter unattraktiv findet. Sie gab der zwölfjährigen Cetta einen Sirup aus Mohnsamen, damit sie zu taumeln begann. Dann nahm sie das Kind mit und brachte sie weiter weg von den Ländereien des Gutsherren, bis zu einem Kiesbett, wo eine verdorrte Eiche stand. Die Mutter brach einen Ast ab, zerriss die Kleider ihrer Tochter und rammte ihm einen spitzen Stein in die Stirn. Dann legte sie ihre Tochter in verrenkter Haltung hin und ließ sie dort liegen. Sie wusste, dass die Männer bald von der Feldarbeit nach Hause gehen würden und das Mädchen hier auffinden werden. Der Plan der Mutter war es, die eigene Tochter zu entstellen. Was ihr auch gelang, doch dem Gutsherren hat dies nicht gestört, er begehrte das Mädchen weiterhin und eines Tages vergewaltigt er Cetta auf dem Feld während der Arbeit. Sie wird schwanger und bringt einen hübschen kleinen Jungen zur Welt. Mit ihrem Sohn flieht sie nach New York, denn sie wünscht sich, dass ihr Kind ein richtiger Amerikaner wird, der lesen und schreiben kann und einen ganz normalen Beruf erlangt, damit er viel Geld verdient und nicht so leben muss wie sie es musste.

Cetta war ihr ganzes Leben entstellt, sie konnte die Fehlhaltung schwer wieder loswerden. Nur mit einem kleinen Trick, einer Einlage im Schuh, konnte sie normal gehen. Cetta arbeitete als Prostituierte und lebte mit ihrem Sohn bei einem alten Ehepaar im Kellergeschoss eines Wohnhauses. Da ihr Sohn ein echter Amerikaner werden sollte, durfte er keinen italienischen Namen tragen, sie nannte ihn Christmas und Christmas konnte alles werden.

Man nannte sie die Diamong Dogs.

Doch als Kind einer Hure hatte Christmas keine leichte Kindheit. Er wurde in der Schule geärgert und fand auch so keine Freunde. Eines Tages wollte er Mitglied einer Gang werden, die Mitglieder lachten ihn nur aus und schickten ihn weg. Daraufhin machte Christmas seine eigene Gang und nannte sie die Diamond Dogs. Und hier beginnt die großartige Geschichte, denn wir wissen, dass die Diamond Dogs nicht existieren. Doch Christmas findet tatsächlich Anhänger, er erzählt, dass die Diamond Dogs die gefährlichste Gang überhaupt ist und dass sie viele Mitglieder haben. Er ist ein hervorragender Erzähler und die Menschen glauben ihm. Er kassiert Schutzgeld und legt sich sogar mit anderen Gangs an, aber seine Gang ist ungefährlich. Sie tun niemanden etwas, wie die anderen, die Schutzgeld erpressen und ständig Leute ausrauben.

Neben Christmas und Cetta spielt auch Ruth eine große Rolle in der Geschichte. Ruth ist ein Mädchen aus einem wohlhabenden Zuhause. Sie verliebt sich in den Gärtner Bill und verschwindet eines Nachts mit ihm, um das Leben zu genießen, sie wollten ausgehen und Spaß haben. Bill jedoch hat ganz andere Pläne mit Ruth, er raubt sie aus und lässt sie blutend auf der Straße liegen. Christmas entdeckt Ruth und bringt sie ins Krankenhaus. Er verliebt sich in das verletzte Mädchen und schwört, dass er den Mann finden wird, der ihr das angetan hat.

Er findet den Mann, der ihr das angetan hat.

Im gesamten Buch liest man abwechselnd von den drei Charakteren, Christmas, Ruth und Bill. Christmas und Ruth, ein Liebespaar, welches viel durchleben muss und sich lange Zeit aus den Augen verliert. Ruth ist durch die Nacht mit Bill psychisch labil und hat ihr gesamtes Leben damit zu kämpfen, Christmas macht alles für Ruth und verspricht ihr, dass er sie immer finden wird. Er geht zum Radio, damit sie ihn immer hören kann. Denn Ruth zieht mit ihrer Familie weg. Bill dagegen, hat durch die Nacht mit Ruth Blut geleckt, tötet seine Eltern und weitere unschuldige Menschen, aber auch er findet einen Weg berühmt zu werden.

Wird Ruth sich rächen?

Luca Di Fulvio hat es geschafft, drei unterschiedliche Charaktere in einem Buch zu vereinen. Er hält durchweg die Spannung, weil sich immer wieder die Wege der drei kreuzen und man immer auf das Zusammentreffen wartet, welches irgendwann auch kommt. Christmas wird zu einem großartigen jungen Mann, der seine Träume nicht aus dem Auge verliert und andere Menschen zum Träumen bringt. Er kann glaubhaft Geschichten erzählen, so rettet er sich aus vielen kniffligen Situationen, in denen es um Leben und Tod geht und er kann seinen größten Traum erfüllen, was mich beim Lesen wirklich sehr gefreut hat. Ich habe mitgefiebert und Ruth gegenüber großes Mitglied empfinden können. Der Schreibstil des Autors ist eine Kunst, da man sehr gut die Gefühle der Charaktere nachempfinden kann.

Die Sätze sind flüssig zu lesen und obwohl der Roman knapp 800 Seiten umfasst, habe ich ihn in kurzer Zeit verschlungen. Vielleicht fehlt dir noch eine Geschenkidee zu Weihnachten? Meiner Meinung nach, kann man auch Bücher verschenken und dieses Buch, Der Junge, der Träume schenkte, ist  bereits aufgrund von Christmas, dem Jungen, ideal geeignet!

 

25 Jahre alt und Bloggerin seit November 2011. Ich lese gerne und mag die Persönlichkeitsentwicklung. Aktuell belege ich einen Kurs zum Thema Bloggen an der ILS.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Zustimmung zur Datenspeicherung lt. DSGVO