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Reisebericht – Spinalonga, die Lepra-Insel

Nordöstlich neben Kreta liegt eine kleine unbewohnte Insel mit dem Namen Spinalonga. Bei vielen ist diese Insel aber auch als Lepra-Insel bekannt. Die Geschichte um diese kleine Insel vor Kreta an der kleinen Bucht vor Plaka ist spannend und tragisch zu gleich. Offiziel trägt die Insel den Namen Kalydon, der aber kaum  verwendet wird. Spinalonga heißt auf Deutch „langer Dorn“. Ich möchte dir über mein Erlebnis auf der Lepra-Insel berichten und dir außergewöhnliche Einblicke in diesen wunderschönen und dennoch tragischen Ort zeigen.

Die kürzeste Entfernung von der Insel zu Kreta ist an dem kleinen Küstenort Plaka und beträgt ca. 750 m. Wir sind mit unserem Mietwagen nach Plaka gefahren, dort kann man übrigens auch umsonst parken. Dann sind wir mit einem kleinen Fischerboot nach Spinalonga gefahren. Die Insel ist 440 m lang und maximal 250 m breit, die höchste Ebene erreicht 53 m und bietet von oben einen wunderschönen Ausblick über die gesamte Insel sowie auch die Küste und das offene Meer.

Geschichte

Bereits in der Antike diente die Insel zum Schutz des Hafens von Olous. Die Venezianer errichteten ab dem späten 16. Jahrhundert dort eine mächtige Festung. Sie konnten fast 50 Jahre lang die Festung vor den Angriffen der Türken schützen. Denn eine solche mit dicken Mauern war zu dieser Zeit praktisch uneinnehmbar. Teile davon sind auch noch immer zu sehen. Im Jahr 1715 wurde die Insel von den Osmanen erobert. Dann wurden etwa 600 Christen von den Türken verschleppt, ab dann begannen sich dort Muslime anzusiedeln. Im Jahr 1881 zählte Spinalonga 1.112 muslimische Einwohner, die dann die Insel aber verlassen mussten, als die Insel die Unabhängigkeit Kretas erlangte und eine Leprakolonie im Jahr 1903 entstand.

Menschen mit Lepraerkrankungen wurden auf der Insel isoliert.

In dieser Leprakolonie wurden vom Mittelalter bis in die Neuzeit alle an Lepra erkrankten vom Rest der Bevölkerung isoliert, um so die Verbreitung dieser Krankheit zu verhindern. Lepra war zu dieser Zeit eine hochansteckende, gefährliche und unheilbare Krankheit. Die Leprakranken erwarteten einen lebenslangen Aufenthalt auf Spinalonga.

Bis 1957 war die Insel Leprastation und damit eine der letzten Leprakolinien Europas.

Lepra ist eine der ältesten bekannten Krankheiten und wird bereits um 1500 v. Chr. erwähnt. Das außergewöhnliche an dem Lepraerreger ist, dass sich diese mit der Zeit genetisch kaum verändert hat. Das ist nicht üblich für Bakterien, da diese sich mit der Zeit ständig verändern.

Was passiert mit uns bei einer Lepraerkrankung?

Bei dieser Krankheit sterben die Nerven ab und die Gefäße der Arterien und Venen verstopfen durch eine Verdickung des Blutes. Meist verlieren die Betroffenen das Gefühl für Temperaturen und Schmerz. Wenn man sich nicht behandelnd lässt, besteht die Gefahr, dass man sich verletzt und unbemerkt infiziert und dann lebensgefährliche Erkrankungen bekommt.

Im Frühstadium der Krankheit können gerötete Flecken auftauchen, bei dunkelhäutigen Menschen, können es hellere Flecken sein. Die Stellen fühlen sich bei dem Betroffenen taub an, und die Flecken können abheilen oder sich weiter verbreiten.

Übertragung und Heilung

Lepra überträgt sich durch langfristigen engen Kontakt mit einem Infiziertem. Die Übertragung geschieht durch Tröpfcheninfektion. Lepra ist aber nur schwach ansteckend, die Ursache der Neuerkrankungen liegt oft an mangelnder Hygiene, Unterernährung und somit an einem geschwächten Immunsystem. Die Inkubationszeit dauert sehr lang, denn überwiegend hängt sie vom Immunsystem ab. Manchmal kann es bis zu 5 oder 20 Jahre dauern.

Eine Nacht auf der Lepra-Insel

Wenn man früh nach Plaka fährt und dann dort mit dem Boot nach Spinalonga schwimmt, kann man bis 17 Uhr die gesamte Insel entdecken, ein kompletter Rundgang ist etwa 1,5 km lang. Um 17 Uhr aber kommt das letzte Boot, die Insel und die Festung schließen. Stell dir mal vor, was passiert, wenn du dich im hinteren Teil der Insel befindest und die Abfahrt verpasst, dann verbringst du die Nacht auf der Insel.

Teilweise sind die Bauwerke noch recht gut erhalten, an anderen Stellen, hindern Absperrungen Besucher daran, weiter zu gehen. Es könnte gefährlich werden.

Die Wohnhäuser, das Krankenhaus, die Kirche und einige andere Gebäude sind erhalten geblieben. Geht man vom Hafen aus links, gelangt man direkt zu den Wohnsiedlungen. Einige Häuser sind jedoch restauriert, in ihnen befinden sich Fotoausstellungen und ein Informationsbüro. Auch die Kirche wurde renoviert. Interessant ist der Desinfektionsraum, Angehörigen war erlaubt ihre kranken Verwandte auf Spinalonga zu besuchen. Die Besucher wurden beim Verlassen der Insel in diesem Raum mit einer Säure desinfiziert. Das Krankenhaus, den Friedhof und das Wassersystem sollte man sich ebenfalls unbedingt anschauen.

Aber auch die Stadt Plaka ist schön, es gibt herrliche Tavernen an der Küste. Die gesamte Ortschaft hat lediglich eine Straße, verlaufen kann man sich kaum. Wir hatten auch sehr viel Glück mit dem Wetter an diesem Tag, denn obwohl wir im Norden der Insel geblieben sind, war es trocken und die Sonne hat sich den ganzen Tag blicken lassen.

Ich habe so viele Bilder auf der Insel gemacht, die ich dir natürlich alle zeigen möchte. Leider sind wir aber auch erst spät in Plaka angekommen und hatten nur eine Stunde Zeit die Ruinen zu erkunden, was auf jeden Fall zu wenig ist!

Wenn du das nächste Mal auf Kreta bist, dann Plane doch einen Besuch auf der Lepra-Insel. Es steckt eine großartige und doch auch sehr traurige Geschichte in den alten Steinen.

25 Jahre alt und Bloggerin seit November 2011. Ich lese gerne und mag die Persönlichkeitsentwicklung. Aktuell belege ich einen Kurs zum Thema Bloggen an der ILS.

4 Kommentare

  • Silvia

    Hallo liebe Mia, ich hoffe du hattest ein schönes Weihnachtsfest. Ich komme in letzter Zeit kaum zum kommentieren, aber ich möchte dir trotzdem ein paar Grüße da lassen. Wunderschöne Eindrücke sind das von der Insel und oftmals sind die tragischen Orte tatsächlich die schönsten Orte. Auf Kreta war ich auch schon, aber nicht auf der Insel und deine Hintergrundinfos dazu finde ich super. Vielleicht komme ich ja mal wieder dorthin und dann sehe ich mir Spinalonga auf jeden Fall an. Liebe Grüße und komm gut ins Neue Jahr!

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